AUTHENTISCHES PRÄSENTIEREN, HERZ ÜBER KOPF

„Ich fühle mich positiv angespannt, aber auch etwas unsicher. In einigen Wochen steht unsere jährliche Saleskonferenz an und ich möchte als Inhaber einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Aber wie kann ich das erreichen?" Dies ist die Frage, die mein Klient, Eigentümer einer mittelständischen Firma, an mich stellt. Eine Frage, die vielen Menschen nur allzu bekannt ist. Es ist immer wieder eine Herausforderung, einen Vortrag zu halten, der sowohl inspirierend als auch authentisch ist. Das weiß auch mein Klient. Er hat großen Respekt vor der Aufgabe, auf der internationalen Verkaufskonferenz seines Unternehmens zu sprechen – große Bühne – großes Kino. Die Herausforderung: Seine Balance zwischen Authentizität und der Präsentation wichtiger Botschaften.

Besonders inspiriert hatten ihn seine Erfahrungen auf einem großen Festival, bei dem die Speaker authentisch und überzeugend auftraten, berichtet er mir. „Sie hatten die perfekte Mischung aus Glaubwürdigkeit und Informationsvermittlung. Genauso authentisch und begeisternd möchte ich wirken. Ich lerne entweder zu viel auswendig und bringe alle Infos rüber oder umgekehrt. Ich bin eben nicht die geborene ,Rampensau´. Wie gelingt es mir, die richtige Balance zu finden?“, war sein Auftrag an unser Coaching.

Authentizität und Begeisterung – der Schlüssel für eine erfolgreiche Präsentation

„Die Antwort auf diese Frage ist im Grunde ganz einfach: Authentizität und Begeisterung sind die Schlüssel. Wenn Sie authentisch sind und wirklich das verinnerlicht haben, was Sie sagen, dann wird Ihr Publikum das merken und sich mit Ihnen und Ihrem Anliegen identifizieren können“, antworte ich. Doch die Frage ist: Wie erreicht man diese Authentizität?

Der erste Schritt besteht darin, sich von den herkömmlichen Vorbereitungsansätzen zu entfernen. Es geht nicht darum, Daten und Fakten auf PowerPoint-Folien zu platzieren oder ein Skript auswendig zu lernen, das vor klinischer Professionalität nur so strotzt. Nein, es geht darum, eine Geschichte zu erzählen – seine Geschichte.

Wir starten daher mit einer spontanen, lockeren Aufnahme seiner Rede auf seinem iPhone. Einfach das Smartphone einschalten – konzentrieren – auf record klicken – und den Inhalt, den Sie rüberbringen wollen, „erzählen“ bzw. aufnehmen. Eine unzensierte Gedankenströmung, frei von jeglichem Druck oder der Befürchtung eines Publikums. Hier stelle ich ihm die Frage: „Wie würden Sie präsentieren, wenn Ihnen niemand zuhört – wenn Sie sich vor niemandem beweisen müssen?"

In dieser Übung geht es nicht darum, perfekt zu sein. Es geht vielmehr darum, die Inhalte zu identifizieren, die intuitiv aus dem Inneren kommen, die wirklich von Herzen kommen. Diese Inhalte dienen dann als Grundlage für die Entwicklung des endgültigen Präsentationstextes. Dieser Ansatz ermöglicht es, eine tiefe und persönliche Verbindung zur eigenen Botschaft herzustellen.

„Sie fragen sich vielleicht: Warum ist diese Übung so wichtig?", bemerke ich bei meinem Klienten durch einen etwas skeptischen Blick. „Sie hilft Ihnen dabei, ohne Druck Ihre echte, authentische Stimme zu finden. Denn – wie Sie richtig sagen – gerade in einer Präsentationssituation ist es enorm wichtig, sich selbst treu zu bleiben und authentisch zu sein. Authentizität zieht Menschen an – es ermöglicht eine echte Verbindung, fördert Vertrauen und Glaubwürdigkeit.“

Insbesondere für diesen Klienten ist es wichtig, dass er kein „Zwangskorsett“ in Form einer Präsentation vorliegen hat. Bei jedem Coaching – insbesondere, wenn das Ziel Authentizität ist – ist es wichtig, das Coaching exakt auf die Persönlichkeit auszurichten. Aus dem LINC Personality Profiler – dem Persönlichkeits-Assessment – wissen wir, dass Spontanität, Handlungsinnovation und Impulsivität sehr stark ausgeprägte Charaktereigenschaften sind. Für meinen Klienten heißt das: So wenig Manuskript wie möglich – so viel Freiheit (Freiraum für Spontanität und „Ausprobieren“; Möglichkeit, sein Temperament auszuleben) wie möglich. 

Die iPhone-Aufnahme dient für ihn als Basis, auf der wir aufbauen können. Gemeinsam hören wir sie uns an, diskutieren, schneiden und formen sie, bis sie zu der Botschaft wird, die er mit Begeisterung und Überzeugung vermitteln kann. Der Kern seiner Rede wird somit durch seine eigenen spontanen, authentischen Gedanken und Gefühle entwickelt, was ihm hilft, sich sicher zu fühlen und authentisch und überzeugend zu präsentieren.

Nach dieser ersten Übung geht es nun darum, die Rede zu verfeinern und die Präsentation zu üben. Doch das ist eine Geschichte für einen anderen Tag. Denn eines ist sicher: Authentizität und Begeisterung sind der Schlüssel zu einer erfolgreichen Präsentation – und sie sind in jedem von uns vorhanden. Wir müssen sie nur entdecken und zulassen.